Montag, 28. Mai 2012

Der Juckreiz

in meinen Träumen. Verlassener Waldweg.
Anziehungspunkt für nimmergrüne Blumen, nur
abseits des Weges sind sie am schönsten,
wenn sie auch das Gift unter meinen Nägeln beinhalten,
was mich infiziert, wenn ich mich kratze.
Ich verbrachte zu viel Zeit mit Pflanzen.
Sind sie auch noch so rot,
blühen sie auch noch so auf.
Ich bück mich nicht, ich pflück nicht
mehr am verlorenen Waldesrand.
Ich sitze zu Hause und füttere den toten Hund,
sammle das wieder auf, was von mir hingeworfen ward, was schimmert
und sich gerundet hat. Und gebe es nie wieder her. Berge nicht,
tauche nicht, schwimme nicht im Meer, aus Angst
am Salzwasser zu verdursten.

Montag, 21. Mai 2012

Antagonistin


Der Kommandeur schabt mir das Ohr
aus. Gestern noch war der Sand
in meinen Händen Glas.
Worauf wartest du, Lügner? Hast kennst
du wohl nicht mehr. Stücke meines Fleisches
hängen zwischen
deinen Zähnen.

Zwei meiner Finger knicken ein
Deine Lippen knautschen.
Spuck ich dir ins Gesicht, spuck ich dir vor die Füße?
Das Wort gerinnt, kommt es aus mir raus.
Krank scheinst du nicht zu wissen, was das ferne Grollen soll.

Montag, 7. Mai 2012

Wüstenwind

Wüstenwind nannten sie mich in der Schule. Ich kam aus Afrika und im Norden des Kontinents begann ich zu wirken, wie eine Sense, bestehend aus feinst geschliffenen Quarzen, versetzt mit dieser Kraft, die Menschen auf die Knie zwingt und Augen ohne zu zögern verklebt. Bei Blindheit fokussierst du deine restlichen Sinne fort vom Diktator Augennerv. Und wenn dieser mein größter Feind war, dann wusste ich ihn zu bekämpfen.
Die Luft hier war nie wie zu Hause. Zuhause brachte das Feuer die Luft zum Zittern. Dann drehten alle dem Himmel den Rücken zu und verharrten erdnah und fern von dem Funken, der den Verstand brach.
Mein Vater kam damals zurück mit Kerben im Gesicht, zu tief, als dass Knochen hätten Einhalt gebieten können. Und wir zogen fort. In euer Land, das lieber Narben als Asche kennen würde. Und ich lernte eure Sprache, bis ich sie ohne Akzent beherrschte.
Mein Vater starb. Meine Mutter brach. Und ich, ich wurde Teil der Welt, die mich vertrieb.
Ich konnte sehr bald fliegen und ich fand Blondschöpfe und Schwarzhaargeschorene, die mich unterschätzten. Wüstenwind schneidet Fleisch von Knochen.
Ich verließ euch, bevor euer Leben auch mein Problem wurde, und in der Heimat wartete ich auf. Ein Leben, das mir fremd war.
Das Seidenfadenmädchen glitzerte im Morgentau. Ich grüßte sie. Sie verstieß mich recht.
Sie: Ohne dich kann ich hier scheinen.
Ich: Mit mir tanzt du mehr im Licht.
Ich wollte sie schützen, kannte ich doch die Macht der Wut. Aber du, sagte sie, zerreiß mich nicht. Ich habe nur mich selbst. Bin ich zerstört, erlöscht das Licht.
Und ich, der Wüstenwind, brauche ich Platz zum Tanzen, brauche ich Licht zum Schutz der Liebe, die mich hält, die mich Kreise lehrt statt Chaos, die mir Sorgfalt zeigt statt Hass.
Und ich, ich komme nicht mehr zurück in euer Land der Kälte, weil der Wüstenwind jetzt Heimat kennt.