Dienstag, 28. Mai 2013

Die Eliten denken



Leipziger Studenten.
Bildungsbürger denken.
Können nicht lesen, Bilder nicht verstehen.
Wer Hilfe braucht, wird nicht gesehen.
Die Eliten denken: Schlecht gemacht.
Hier wird Bildung noch verlacht.
Asoziales Drecksgetummle, blind im Kopf und taub im Hirn
Behinderte, die hier nach Vorteil gier'n,
Leute, die zwei Räder wählen, auf ihre Freiheit eingeschworen,
jeden Tag sind sie zu zählen, im Denkfabrikentum verloren.
In der Innenstadt, zeigt sich zentral,
wird das Handeln nur zur Qual,
wenn der Opportunist die Opfer sieht
und nicht still schweigend vom Tatort flieht.
Die Feigen kennen keine Pflicht
und die Schuld genauso nicht.
"Ups, ich hab nicht nachgedacht."
Und, Bildung, was hast du falsch gemacht?

Freitag, 17. Mai 2013

Nimmermehr

Es war noch nicht mal später Nachmittag und der Himmel begann bereits sich mit Dunkelheit vollzusaugen. Das Firmament war einheitlich dem milchig grauen Blau unterworfen, von dem sich nicht sagen ließ, ob dort oben Wolken mitmischten oder der Tag eigenständig seine Klarheit abgab. Die Straßenlaternen reagierten nicht und blieben ausgeschaltet.
Ich kam gerade aus der Albertina Bibliothek, hatte einen dicken Bund frischer Kopien unter dem Arm, nach Seitenzahlen sortiert, unbehandelt, nur allein meinem künftigen Amüsement unterworfen.
Ein Geräusch kratzte in meiner Ohrmuschel, einem synthetischem Meeresrauschen gleich. Viel zu falsch für die Beethovenstraße. Ich drehte mich um und bemerkte, dass die Raucher vor dem Geisteswissenschaftlichen Zentrum in den Schatten des Gebäudekomplexes traten, die Köpfe nach hinten geneigt. Nach einigem Zögern blieb ich stehen.
Es waren Krähen. Noch nie hatte ich so viele auf einmal gesehen. Eine ganze Horde schwarzer Flecken erhob sich über mir. Sie bewegten sich - ich kann nicht mal sagen vorwärts. Ihrer unförmigen Gesamtgestalt nach konnte ich nicht ausmachen, welches Ziel sie anpeilten. Die Quelle des Geräuschs waren die sich aneinander reibenden Federn.
Sie mussten nicht einmal mehr krächzen, um sich der Welt mitzuteilen. Allein das nachwirkende Geräusch ihrer Fortbewegung verriet sie. Ansonsten würden sie unbeachtet bleiben. Der schwebende Fleck über dir, schwärzer als sein eigener Schatten.
Verglichen mit diesem dunklen Federkleid begann sich der Himmel wieder zu erhellen. Just in dem Moment, als ich das hätte denken können, veränderten sie ihre Linie und verschwanden hinter dem Bundesverwaltungsgericht. Ich schaute ihnen noch hinterher, als die anderen Studenten bereits wieder ihren Gesprächen nachgingen, an ihren Zigaretten zogen und ihren Kaffee schlürften. 
Ein Mädchen lachte. Ein Blick zurück zeigte mir mehr als einen dieser Bildungsbürger, der mich musterte wie die eine Dumme, die es gewagt hatte, hervorzutreten. In der ganzen Straße hatte niemand außer mir unter freiem Himmel gestanden.
Aber ich hatte gewonnen. Ich war nicht getroffen worden. Mein Magen zog sich zusammen und endlich kam der Schauer, der meinen Rücken herunter lief. Hätte ich eine nahende Herausforderung geahnt, hätte ich mich den anderen gleich überdachen lassen.
Es fühlte sich nicht gut, was ich dann dachte. Deshalb ging ich weiter, bog in die nächste Straße ein. Es war nur eine kleine Nebengasse zwischen den imposanten Bauten der Bibliothek und des Bundesverwaltungsgerichtes. Als ich das erste Mal diese Straße entlang gegangen war, hatte ich mich noch gewundert. Mitten im Straßenbild umgaben stabile, mit Reflektoren ausgezeichnete Pflöcke ein eh schon sorgsam umzäuntes Haus. Langsam patrouillierten Polizisten. An einem Mast wehte eine Fahne aus Streifen und Sternen. Sie leuchtete nicht in der Dunkelheit. 
Eine amerikanische Botschaft, hier in Leipzig, nahe Richtern und Gelehrten? Das passte nicht ins Bild. Später kramte ich ein bisschen im Internet. Es war ein amerikanisches Generalkonsulat.
Ich eilte dran vorbei. Was mich nicht schützte, interessierte mich nicht.
Nachher in der Straßenbahn fiel mir auf, dass die Szene mit den Krähen etwas von Hitchcock gehabt hatte. Ich war froh, dass es mir erst jetzt auffiel und es nicht mein erster Gedanke gewesen war. Nun jedoch gepackt, sponn ich den Gedanken weiter, woran mich der Moment noch hätte erinnern können.
Nimmermehr.
Ich atmete tief ein und langsam wieder aus. Es war besser, doch nicht darüber nachzudenken.