Samstag, 20. Juli 2013

Der Wind

Es gab keine Explosion. Der Wind, der sich einstellte, war ungewöhnlich frisch im Gegensatz zur warmen Sommerluft. Es geschah etwas und ich merkte es erst bei der Frau, die sich mit ihrer Begleitung stritt. Das Einfrieren des Gesichtes. Die fieberhafte Wut in ihren Augen erlosch wie auf einen Funkenschlag hin. Fiel in sich zusammen. Verschwand einfach. Aufgesogen von etwas, was sich auch mir nähern wollte.
Die Kälte war von Natur aus nicht der Tod. Es war der Rückzug des Lebenden. Und Ähnliches geschah auch mit allen Passanten um mich herum. Sie lagen da. Bewegungslos. Kaum ein Brustkorb hob und senkte sich sichtlich.
Warum konnten sie das und ich nicht? Ich drehte mich um. Dorthin, woher der Wind kam. Ein Riss in der Luft, aus dem dieser wütende Luftzug auslief, der Personen einfrieren ließ. Sie sanken alle zu Boden. Der Asphalt fing sie auf. Fleisch auf Teer. Das Künstliche bekam die Basis für den ohnmächtig gewordenen Körper. Das Ferne der Sinne wurde die Basis des Aufenthalts.
Und ich, ich stand noch da. Der Wind wurde so stark, dass ich den Kopf abwenden musste. Er drückte meine Lider zusammen. Er schaffte es nicht, mich umzuwerfen. Meine Körper wirkte wie abgekühltes Beton und ich konnte geschliffen werden, aber nicht einfach umgestoßen. Für ihn war ich der Widerstand und vielleicht diente das auch schon dazu, dass der Riss vor meinen Augen zu heilen begann. Der Wind wurde schwächer. Die Beeinträchtigung meines Sichtfeldes hörte auf und ich konnte noch die letzten Akte der Selbstheilung mitbekommen. Die Welt stand wieder gerade.
Was war das? Ein Riss, aus dem Sturmwind austritt, der die Menschen im Umfeld bis zum Lebensminimum erkalten ließ. Nur ich blieb stehen, erkannte das Einschneiden der Realität.
Der Wind versagte ganz. Die Sommersonne griff hindurch zu mir. Die Menschen bewegten sich wieder. Sie standen auf und gingen ihrer Wege, weil ihnen nichts geschehen war.
Leben war Wärme.

"Hallo, hallo? Hörst du mich noch? Du musst herkommen." Ein Unfall mit der Straßenbahn. Schwer verletzt ins Krankenhaus. Ich verstand die Worte. Aber ich spürte die Temperatur nicht mehr.